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Aus westfälischer Sicht:
Herford schreibt Fahrsport-Geschichte im Pony-Bereich

 

Nachdem sich der Reit- und Fahrverein von Lützow Herford in der Vergangenheit mit der erfolg-reichen Ausrichtung von Fahrturnieren einen guten Namen gemacht hat, wurde ihm in diesem Jahr die Ehre zuteil, Sichtungsprüfungen für zwei Weltmeisterschaften auszurichten. Im August diesen Jahres tragen die Ponygespanne im münsterländischen Greven ihr Weltchampionat aus, und gleich-falls die Zweispänner Pferde in Kecskemet (HUN). Entsprechend konnten die deutschen Zwei- und Vierspänner Ponys, sowie die Zweispänner Pferde sich in Herford für eine mögliche Teilnahme an diesem Event Punkte auf ihr Konto für eine Fahrkarte jeweils dorthin holen.
Mit diesem CAN hat sich dieser gut aufgestellte Verein wieder einmal von der organisatorischen Seite, als auch von den mittel- und unmittelbaren Rahmenbedingungen her, in hervorragender Wei-se zeigen können. Innerhalb von sechs Jahren ist dafür auf der Anlage Meyer zu Hartum im ost-westfälischen Herford ein attraktiver und anspruchsvoller Veranstalter auf ein anspruchsvolles Ni-vea gewachsen. Neben diesen genannten offiziellen Sichtungsprüfungen waren auch namhafte Vie-rerzugfahrer Pferde am Start. Diese nutzen diese Veranstaltung teilweise dafür, um entsprechend dem Regelement der FEI, bestimmte Pferde für anstehende internationale Einsätze zu qualifizieren. Dieses anspruchsvolle Starterfeld rundete sich noch durch Wettbewerbe in den Klassen A und M ab. Sicher ging man da an das zeitlich Machbare, doch die Organisationsstrukturen hielten alles im Rahmen des Möglichen. Nicht viele Veranstalter geben so der Basis des Fahrsports für den Einstieg für zukünftig „schwere“ Aufgaben (Kl. S) eine vergleichende Möglichkeit. Genau diese Weitsicht zeichnet Herford aus, und stellt aus Landes-Sicht unter Beweis, das Westfalen als Pferdeland ent-sprechend den Fahrsport von unten her fördert.
Zum sportlichen Verlauf der Qualifikationsprüfungen ist bei den Pony-Zweispännern aus westfäli-scher Sicht her im erweiterten Sinn zu sagen, dass sich nur Christoph Weihe, Kutenhausen mit 134,25 Punkten an siebenter Stelle platzieren konnte. Er bestach vor allem durch sein Dressurer-gebnis mit 49,02 Punkten (5. Platz). Der Emsdettener Dieter Baakmann hatte ungewohntes Pech in der Dressur, so dass er vorgezeichnet im Gelände und im Kegelparcours nichts mehr gewinnen konnte. Doch das wird seiner Anwartschaft für die WM durch die vorangegangenen Sichtungen nicht geschadet haben. In Kutenhausen nun ansässig sind Dennis und Daniel Schneiders, doch noch starten sie für Weser-Ems. Dennis Schneiders startete mit zwei Gespannen, und landete mit diesen durch gleichmäßig hohe Leistungen in den einzelnen Teildisziplinen auf dem dritten (120,82 Punk-te: Dressur 48,38; Gelände 69,44; Kegelparcours 3,0) und vierten Platz (123,17 Punkte: 56,06/66,81/0,3). Mit seinem zweiten Gespann holte er sich dabei den Sieg im Gelände. Ärgerlich für Daniel Schneiders wurde ein schwerwiegender Fehler im Hindernis zwei. Dadurch gab es für ihn Strafpunkte durch Absteigen des Fahrers und Beifahrers sowie für korrigiertes Verfahren. Doch er hatte sein „Hängenbleiben“ talentiert noch gut meistern können, es hätte schlecht ausgehen kön-nen. Mit Platz drei in der Dressur (46,59 Punkte) hatte er für die Kombi gut vorgelegt. Der Sieg in der Kombinierten Prüfung ging an Stephan Koch, Hamburg mit 110,93 Punkten (40,06/70,86/0) vor Steffen Abicht, Bad Düben mit 116,13 Punkten (43,26/69,87/3). Auf Platz fünf kam Arndt Lörcher, Fümmelse mit seinen Haflinger-Hengsten. In der Dressur war es ein siebenter Platz für ihn, und im Gelände (67,30 Punkte) war nur Dennis Schneiders besser als er. Erwähnenswert aber auch die gu-ten Leistungen von Timm Schäferhoff, Münster, der Dritter im Gelände (68,96 Punkte) wurde. Mit einem achten Platz (136,27 Punkte) war er leider nicht mehr in der Platzierung.
Mit Tobias Bücker, Emsdetten und Martin Thiemann, Saerbeck hat Westfalen gleich zwei heiße WM-Kandidaten. Allerdings lief es für Martin Thiemann in Herford vom Gesamtergebnis nicht ganz rund. Mit 160,27 kam er nur auf den neunten Rang. dafür ging der Sieg im Gelände aber auf sein Konto (75,21 Punkte). Anders dann für Tobias Bücker. Nach einem dritten Platz vor heimi-scher Kulisse in Emsdetten und einem Sieg in Biblis, bewies Tobias Bücker auch in Herford seine gute Form. Er siegte in der Dressur (46,98 Punkte), fuhr im Gelände in flüssiger Fahrt auf Rang sechs (86,17 Punkte). Im abschließenden Hindernisfahren ließ er auch nichts anbrennen, nach dem er im Zwischenstand nach Dressur und Gelände die Nase vorn hatte. Nervenstark blieb er fehlerfrei, und gewann am Ende die Vielseitigkeit mit 133,15 Punkten vor Abel Unmüssig, Hinterzarten (142,06 Punkte: 53,50/86,25/2,31) und Edwin Kiefer, Horb (1142,08 Punkte: 54,91/84,78/2,39). Vierter in der Reihenfolge wurde diesmal Steffen Brauchle, Lauchheim (143,59 Punkte). Er war in der Dressur Zweiter hinter Tobias Bücker geworden. Ihn warf das Marathonergebnis trotz guter Leistung zurück, da er im Hindernis sechs für das Absteigen eines Beifahrers Strafpunkte kassierte.

Glückwunsch an den austragenden Verein „von Lützow Herford“, der unter der Turnierleitung von Klaus Beckord, Christoph Meyer zu Hartum und Bernhard Geldmeier ein wirklich gelungenes und attraktives Fahrturnier aurichtete. Der erstmalig verpflichtete Parcourschef Josef Middendorf trug zu dem großartigen Erfolg wesentlich mit bei. In Herford ließ man nichts anbrennen. Die Fahrplätze waren in bestem Zustand. Auch die Geländestrecke ließ nichts aus pferdefreundlicher Sicht zu wün-schen übrig. Aber auch über die Geländehindernisse kann man letztlich nur lobenswert berichten, obwohl der weitere Ausbau noch nicht ganz abgeschlossen ist. Dem technischen Anspruch der Wettbewerbe wurden sie voll gerecht. Die ersten beiden Hindernisse waren für die Gespanne ideal zum „Einlaufen“, doch dann wuchsen die technischen Ansprüche, und mancher Fahrer unterschätz-te diese zunehmend.
Dank vor allem an die große Helferschar, die vielfach im Hintergrund tätig vom Turnierverlauf nur wenig mitbekam. Dank aber auch an Familie Meyer zu Hartum, die sich in das Geschehen voll ein-brachten. Hier nach Herford wird man als Fahrer und Besucher immer wieder gerne herkommen. Hier war man in vollem Umfang willkommen, und durfte sich in westfälischer Gastfreundschaft wohl fühlen. Eine solche Veranstaltung wird auch vor diesem Hintergrund in Zukunft ihre Förderer und Sponsoren finden. Hier wird noch ganz großer Fahrsport in naher Zukunft zu sehen sein.

Dr. Jürgen Schwarzl/16.06.2009